Einführung in die Lexikografie

Aus denktionary
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Diese Seite unterstützt dich dabei, selbst Wörterbuchartikel im Denktionary zu verfassen, also selbst als Lexikografin oder Lexikograf tätig zu werden. Als Lexikografie bezeichnet man die Disziplin, die sich mit dem Erstellen von Wörterbüchern beschäftigt. Unter Lexik versteht man den Wortschatz einer Sprache. Lexikologie ist die Wissenschaft, die den Wortschatz erforscht und beschreibt.

Es folgt eine kurze Einführung in die Grundlagen der Lexikografie sowie in die verschiedenen Angabeklassen in den Wörterbuchartikeln im Denktionary.

Enzyklopädie und Wörterbuch

  • sowohl Enzyklopädien (oder Lexika) als auch Wörterbücher sind Nachschlagewerke
  • beide enthalten also Informationen zu einer bestimmten Auswahl von lexikalischen Einheiten (z. B. Wörtern) oder begrifflichen Einheiten
  • die Einheiten sind dabei auf eine bestimmte Weise angeordnet, damit Nutzerinnen und Nutzer möglichst schnell auf die Informationen zugreifen können
  • Enzyklopädien und Wörterbücher unterscheiden sich nach der Art der Informationen, die sie enthalten

Sprachwissen und Sachwissen

  • Wörterbücher enthalten sprachliches Wissen über die Einheiten (also z. B. Informationen darüber, wie ein Wort geschrieben oder ausgesprochen wird, was es bedeutet, welche grammatischen Eigeschaften es besitzt und mit welchen anderen Wörtern es typischerweise kombiniert wird)
  • Enzyklopädien beinhalten hingegen Sachwissen über den Gegenstand (also z. B. Informationen über das Vorkommen, die Herkunft, die Herstellung, die Verwendung oder die gesellschaftliche Bedeutung eines Gegenstandes)
  • allerdings beziehen Bedeutungserläuterungen in Wörterbüchern häufig sachliches Wissen mit ein:






















Unterschiedliche Wörterbuchtypen

  • Wörterbücher lassen sich nach verschiedenen Kriterien in unterschiedliche Gruppen einteilen, die Kriterien können z. B. sein, dass
- das Wörterbuch überwiegend einem bestimmten Zweck dient (z. B. ein Übersetzungswörterbuch),
- sich das Wörterbuch an eine bestimmte Benutzergruppe richtet (z. B. ein Lernerwörterbuch),
- die im Wörterbuch enthaltenen Einheiten bestimmte Merkmale aufweisen (z. B. Fremdwörterbuch oder Abkürzungswörterbuch),
- im Wörterbuch nur bestimmte Informationen zu den enthaltenen Einheiten gegeben werden (z. B. Synonymenwörterbuch, Aussprachewörterbuch)
  • neben diesen Spezialwörterbüchern gibt es auch Allgemeinwörterbücher, die umfassende Informationen zu einer möglichst großen Anzahl an Einheiten enthalten

Zwei Forschertypen

Wie kommen Lexikografinnen und Lexikografen aber nun zu den Informationen, die sie in die Wörterbuchartikel schreiben? Das unterscheidet sich nicht vom Vorgehen in anderen Bereichen der Sprachwissenschaft. Grundsätzlich kann man zwei verschiedene Herangehensweisen und damit zwei Typen von Forscherinnen und Forschern unterscheiden (basierend auf Lemnitzer/Zinsmeister, S. 5.):

Die Denkerin oder der Denker
corpus-based
Die Beobachterin oder der Beobachter
corpus-driven
  • verbringt die meiste Zeit im Sessel und denkt nach
  • Arbeitsplatz ist der Computer mit Ausrichtung auf authentische Sprache
  • sie oder er denkt sich Sätze aus, die im Rahmen der eigenen Sprachtheorie möglich sind, und lässt kompetente Sprecherinnen und Sprecher der Sprache über die Wohlgeformtheit dieser Sätze urteilen ("Sagt man das so?")
  • je mehr Daten, desto besser
  • aus den Ergebnissen zieht die Denkerin oder der Denker dann Schlüsse über die Grammatik dieser Sprache und die zugrundeliegende Sprachtheorie
  • die entwickelten Theorien stützen sich auf die Beobachtung dieser Daten
  • entscheidend ist also das Sprachgefühl und Sprachwissen kompetenter Sprecherinnen und Sprecher
  • Aussagen und Hypothesen werden durch immer neue Daten bestätigt oder verworfen
  • die Denkerin oder der Denker ist an alltäglichen Äußerungen nicht interessiert
  • die Beobachterin oder der Beobachter möchte ein möglichst vollständiges Bild gewinnen, deshalb ist für sie oder ihn der alltägliche Sprachgebrauch interessant

Im Rahmen der modernen Korpuslexikografie überwiegt beim Verfassen von Wörterbuchartikeln die Rolle der oder des Beobachtenden. Allerdings gibt es durchaus Situationen, in denen man als Lexikografin oder Lexikograf ganz gezielt in die Rolle der Denkerin oder des Denkers schlüpft. Denn auch und gerade beim Arbeiten mit Korpora sollte man die eigene Sprachkompetenz nie "abschalten".

Die Angabeklassen im Denktionary

Grammatische Angaben

  • grammatische Angaben sind immer auszufüllen (Belege und besondere Beobachtungen speichern – sie kommen in die Materialsammlung)
  • im Denktionary machen wir folgende grammatische Angaben:
- Angabe der Wortart: Substantiv, Verb, Adjektiv oder Adverb
- Genus (Geschlecht) bei den Substantiven: m (Maskulinum/männlich), f (Femininum/weiblich), n (Neutrum/sächlich)
- Formentabelle (Adjektiv: Steigerungsstufen - Positiv/Grundstufe, Komparativ/Mehrstufe, Superlativ/Meiststufe; Verb: einige wenige Formen in einigen Zeitformen und Modi; Substantiv: vollständig - alle vier Kasus/Fälle im Singular und Plural)
- außerdem Link zu vollständiger Flexion bei Canoo.net

Flexionstabelle Substantiv

Substantiv, m / f / n

Singular Plural
Nominativ ... ...
Genitiv ... ...
Dativ ... ...
Akkusativ ... ...














Flexionstabelle Verb

Person Wortform
Präsens ich ...
du ...
er/sie/es ...
Präteritum ich ...
Konjunktiv II
(Präteritum)
ich ...
Imperativ Singular ...
Plural ...
Perfekt Partizip II Hilfsverb
... ...




















Flexionstabelle Adjektiv

Positiv Komparativ Superlativ
... ... ...










Worttrennung

  • bei trennbaren Wörtern gibt ein Punkt (∙) beim Stichwort die trennbaren Stellen an, z. B. end∙geil
  • bei Adjektiven ist zusätzlich immer die Trennung der Steigerungsstufen anzugeben
  • Beispiel endgeil:






Bedeutungen

  • schwierigste Angabe beim Verfassen von Wörterbuchartikeln
  • immer anzugeben
  • Formulierung der Bedeutung (Definition): Umschreibung als Wortgruppe (keine ganzen Sätze)
  • Aufteilung in Einzelbedeutungen (Lesarten): eine ([1], wie unten bei endgeil) oder mehrere ([1], [2], [n], wie unten bei erliegen)
  • Aufteilung in Einzelbedeutungen ist Voraussetzung für Zuordnung der anderen Angaben
  • Formulierung der Bedeutung: Entwurf, immer wieder umformulieren
  • Bitte formuliert selbst – keine Plagiate aus anderen Wörterbüchern!
  • Beispiel erliegen:





  • Beispiel endgeil:






Synonyme und Gegenwörter

  • bedeutungsähnliche und bedeutungsgegensätzliche Bezeichnungen
  • gehören zur gleichen Wortart wie das Stichwort
  • Rückbezug auf z. B. Duden-online und/oder die mittlere Spalte der Kookkurrenzliste möglich, anschließend in COSMAS II jeweils Suche nach passenden Belegen
  • Synonyme und Gegenwörter sind getrennt nach Lesarten anzugeben (siehe unten [1] und [2] zu erliegen)
  • vor allem Gegenwörter gibt es nicht zu jedem Stichwort
  • wenn möglich, bitte belegen (Belege in der Materialsammlung speichern)
  • bitte alphabetisch sortieren
  • immer prüfen: Zeigt der Beleg wirklich die Ähnlichkeit oder Gegensätzlichkeit der Bedeutungen der beiden Wörter?
  • Beispiel erliegen:










Oberbegriffe und Unterbegriffe

  • Rückbezug auf Kookkurrenzliste möglich, anschließend in COSMAS II Suche nach passenden Belegen
  • gehören zur gleichen Wortart wie das Stichwort
  • gibt es nicht zu jedem Stichwort
  • getrennt nach Lesarten (siehe unten Lesarten [1] und [2] zu Schmalspur)
  • wenn möglich, bitte belegen (Belege in der Materialsammlung speichern)
  • immer prüfen: Zeigt der Beleg wirklich die Über- oder Unterordnung der beiden Wörter?
  • Orientierung am Wiktionary – bei Substantiven sind bei den Unterbegriffen Zusammensetzungen mit dem Stichwort als Zweitglied möglich (in diesen Fällen Überschneidung mit den Wortbildungsangaben)
  • Beispiel Schmalspur:











Beispiele

  • immer anzugeben
  • mindestens 3 Belege pro Lesart angeben
  • ganze Sätze und Angabe der Quelle (Belege aus COSMAS II; können über die Kookkurrenzliste oder die Trefferansicht gefunden werden)
  • getrennt nach Lesarten angeben (siehe unten [1]; Beispiele zu endgeil)
  • Format: Stichwort kursiv, Quellenangabe klein


Was ist ein gutes Beispiel?

  • Einzelbeleg:
- Stichwort selbst muss enthalten sein
- vollständige Sätze
- keine zu langen Sätze
- gut verständlich und korrekt
- stilistisch neutral (außer bei stilistisch markiertem Wort)
- ohne Bezüge auf Vorheriges (kann ohne weiteren Zusammenhang ste-hen und verstanden werden)
  • alle Belege zusammen:
- bilden ein möglichst breites Spektrum an Quellen (Zeitpunkt, Region)
- decken die Bedeutung breit ab

Charakteristische Wortverbindungen

  • charakteristische Wortverbindungen sind zwei- oder mehrteilige lexikalische Einheiten
  • sind immer anzugeben
  • können auf der Basis der Kookkurrenzen (siehe Kookkurrenzliste) erarbeitet werden
  • getrennt nach Einzelbedeutungen angeben
  • nach Komplexität sortieren
  • Verben als Stichwörter auf Infinitive zurückführen, außer bei Verbindungen wie etwas funzt problemlos
  • Beispiel erliegen:










Wortbildung

  • die ca. zehn häufigsten Wortbildungsprodukte
    • Komposita mit Stichwort an 1. Stelle (Stichwort-, z. B. Shitstorm-Opfer), Stichwort an 2. Stelle (-Stichwort, z. B. Internet-Shitstorm) oder [Stichwort in der Mitte (-Stichwort-)]
    • Ableitungen (z. B. Shitstormer)
  • alphabetisch sortiert
  • gibt es nicht zu jedem Stichwort
  • das Stichwort ist der Ausgangspunkt/die Basis – keine Beobachtungen zur Gebildetheit des Stichwortes oder Angaben zur Wortfamilie (also nicht liegen im Artikel zu erliegen aufführen)
  • Nachweise zu den einzelnen Wortbildungsprodukten (Trefferanzahl) in Materialsammlung speichern
  • Beispiel Shitstorm: